Charakterräume sind mediale Lernprodukte, die Schüler:innen einer neunten Klasse im Deutschunterricht (Gymnasium, NRW) als alternative Form der Leistungsbewertung anfertigen, erläutern und reflektieren sollten. Als Referenz dienten je individuell gewählte Figuren aus Friedrich Dürrenmatts tragischer Komödie ?Der Besuch der alten Dame?, die durch die bildnerische Auseinandersetzung in ihren Facettierungen und Rollenkonzepten genauer durchdrungen werden sollten. Die visuell-symbolischen Konkretisierungen der Figureneigenschaften im Bildraum sind insofern lernwirksam, als dass sie einerseits den Schüler:innen aktive multimodale Umwälzungen ihres Textverständnisses abverlangen und andererseits somit auch eigene gestalterische Ausdrucksformen und ?Spielräume? jenseits bereits vorliegender Bühnenumsetzungen ermöglichen. In dem Projekt wurden zudem bildgenerative KIs eingesetzt, um die eigenen Ideen immer wieder mit den Visualisierungskonzepten der KI abzugleichen und zugleich algorithmische Bildlogiken kritisch zu reflektieren.
Eingebundene Kompetenzen (4K) im Projekt

Kritisches Denken
Kritisches Denken war zum einen bei der Bewertung von visuellen Outputs der KI gefordert. Hier ging es vor allem darum zwischen Oberflächenstrukturen (das konkret Beschriebene) und Tiefenstrukturen (symbolische Kodes in der Szenengestaltung) zu unterscheiden. Zudem erfolgte im Peer-Feedback auch immer ein Abgleich zwischen Primärtext und gestalterischer Interpretation zum Zwecke der Weiterentwicklung der einzelnen Projekte.

Kommunikation
Kommunikation spielte einerseits bei der adressatengerechten Aufbereitung der Charakterräume im Kontext eines virtuellen Museumsrundgangs eine Rolle. Schüler:innen haben hier kurze Erklärtexte als Audiofiles produziert, die von Besuchern der Website abgerufen werden können. Andererseits sollten alle Gruppen auch exemplarische Szenenpassagen, die in besonderer Weise geeignet sind, ihre Figur zu fassen, szenisch-dialogisch aufbereiten und präsentieren.

Kollaboration
Die einzelnen Figuren des Stücks wurden auf die Klasse verteilt, immer 2 Kleingruppen (2-3 Schüler:innen) pro Figur als Korrektiv. Neben dieser kooperativen Erschließung arbeiteten die Gruppen selbst kollaborativ und teilten sich individuell die Aufgaben auf (Textrecherche, Materialbeschaffung, Gestaltung etc.).

Kreativität
Die Visualisierungen sind in jedem Fall je individuelle, kreative Interpretationsleistungen der Schüler:innen. Die herausfordernde Aufgabenstellung trug auch nicht dazu bei, visuelle Stereotype zu reproduzieren. Die Feedbackschleifen verhalfen dazu, eigene Gestaltungskonzepte immer auch wieder zu reflektieren und zu modifizieren.
Prüfungsformat(e)
Das konkrete Prüfungsformat ist die Summe verschiedener Elemente (Gestaltungskonzept, Umsetzung, Feedback, Ausstellung, Inszenierung etc.) Auf der angehängten Taskcard finden sich Details.
Eingebundene Kompetenzen (4K) in den Prüfungen

Kritisches Denken

Kommunikation

Kollaboration

Kreativität
Formatspinne Prüfungsformat
Bitte beschreibe deine Beobachtungen, ob und inwiefern dein Projekt zum Erwerb der 4K bei deinen Schüler*innen beigetragen hat.
Neben den fachlichen Kompetenzen
- relevante Figurenmerkmale und Handlungsmotive identifizieren und zunehmend selbstständig erläutern (Inhaltsfeld Texte/ Rezeption)
- mediale Produkte umzusetzen (Inhaltsfeld Medien/ Produktion)
sind alle 4K zusätzlich durch das Projekt gefördert worden.
… in Bezug auf die Unterrichtsgestaltung
Weitere verbindliche Feebackschleifen zu Beginn oder zum Ende jeder Doppelstunde einbinden, um die kritische Urteilskompetenzen bezogen auf die eigenen Gestaltungen, aber auch bezogen auf die Arbeit in den Kleingruppen zu entwickeln.
… in Bezug auf das Prüfungsformat
Hier unbedingt die öffentlich zugängliche Musuemstour virtuell anderen Lerngruppen oder der Schulöffentlichkeit zur Verfügung stellen, um die Selbstwirksamkeitserfahrungen der Schüler:innen zu steigern.
Schule: Gymnasium Harsewinkel
Ansprechpartner: Lars Zumbansen, zum@gym-hsw.de
