Meine wichtigste Erkenntnis während der Erstellung des Portfolios war, dass man vor allem durch den Austausch mit einem Partner viel besser seine Fehler erkennen und somit verbessern kann.

Schülerin, Jahrgangsstufe 12
E-Portfolio

Ricarda Dreier

Deutsch: E-Portfolio mit anschließender Vergleichsklausur

Die Schüler*innen gestalten E-Portfolios zum Thema “Unterwegssein - Lyrik von der Romantik bis zur Gegenwart”, indem sie begründet Gedichte auswählen, sich kreativ mit diesen auseinandersetzen und nach selbstständiger Recherche und individuellen Interessen (z. B. mit Blick auf Motive oder Epochen) Schwerpunkte setzen. Im Zentrum stehen Gedichtanalysen, die durch Peer Feedback begleitet und überarbeitet werden.

Unterrichtsvorhaben

Das Portfolio sollte eine Sammlung von Dokumenten und Produkten ergeben, die in den größtenteils selbstgesteuerten Lernprozessen der Schüler*innen zustande kommen, z.B. individuelle Rechercheergebnisse, Textanalysen, selbst geschriebene Gedichte, Bilder etc. Als individuelle Schwerpunkte haben sich die Schüler*innen in meinem Kurs u.a. die Motive Freiheit oder Abschied ausgewählt und deren Ausgestaltung in den verschiedenen Epochen untersucht. Vor dem Hintergrund dieser Motive verfassten die Schüler*innen drei Einzelanalysen, wobei sie in ihren Schreibprozessen durch das Peer Feedback ihrer Lerngruppe unterstützt wurden. Eine wichtige Rolle spielte zudem die Selbstreflexion: Die Schüler*innen sollten immer wieder innehalten und ausformulieren, inwiefern ihnen z.B. das Peer Feedback geholfen hat oder wie sie insgesamt die Arbeit mit dem Portfolio bewerten.

Im Rahmen der Leistungsbewertung lassen sich Portfolios in zweifacher Hinsicht berücksichtigen: Erstens kann die Dokumentation des individuellen Lernweges in die Note für die sonstige Mitarbeit einfließen. In meinem Unterricht habe ich aufgrund der Rahmenbedingungen diese Variante gewählt, nachdem ich mit den Schüler*innen die Bewertungskritierien gemeinsam festgelegt habe.

Betrachtet man zweitens das (E-)Portfolio als eine Art persönliches Wissens- und Lernreservoir, kann dies außerdem als eine Alternative zur traditionellen Klausur dienen, z.B. indem die Schülerinnen und Schüler sich auf ihr Portfolio als eine Art Hintergrundfolie z.B. für eine vergleichende Textanalyse beziehen sollen.

Eine mögliche Klausur sieht dann folgendermaßen aus:

Die Schülerinnen und Schüler bekommen drei Gedichte (a, b, c) aus verschiedenen Epochen zur Auswahl und dazu folgende Aufgabenstellung:

  1. Wählen Sie ein Gedicht (a, b oder c) aus, das Sie mit einem Gedicht (d) aus Ihrem Portfolio vergleichen möchten. Begründen Sie Ihre Entscheidung. Beziehen Sie sich dabei auf ausgewählte Materialien aus Ihrem Portfolio.
  2. Vergleichen Sie beide Gedichte miteinander im Hinblick auf die Bedeutung des Reisens. Nehmen Sie abschließend kurz Stellung zur Lebenseinstellung (Haltung, Motivation etc.) des lyrischen Ichs. Beziehen Sie sich dabei auch hier auf ausgewählte Materialien aus Ihrem Portfolio.

Durch die individuelle Schwerpunktsetzung sowohl bei der vorangegangenen Gestaltung des Portfolios als auch bei der Auswahl des Vergleichsgedichtes wird ein hohes Maß an Eigenständigkeit vorausgesetzt und der individuelle Lernweg der Schüler*innen gewürdigt.

Zusatzmaterial:

Formatreflexion

Raum

festgelegt
frei wählbar

Die Schüler*innen haben sowohl zuhause als auch in der Schule an ihren Portfolios gearbeitet. Das zeitlich aufwendigere Verfassen von Analysen und das Peer Feedback erfolgte primär zuhause. Eine Klausur im Anschluss an das Portfolio kann sowohl in der Schule als auch zuhause stattfinden, da das Referenzmaterial in Form des E-Portfolios ja bereits entwickelt wurde.

Zeit

festgelegt
entgrenzt

Die Abgabe des Portfolios erfolgte nach einem gemeinsam festgelegten Zeitraum. Eine eventuelle Vergleichsklausur kann zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgen, jedoch auch zu einem von den Schüler*innen gewählten Zeitpunkt, z.B. wenn sie glauben, dass ihr Portfolio bereits so weit entwickelt ist, dass es als Folie für eine Leistungsüberprüfung ausreicht.

Material

vorgegeben
frei wählbar

Die Schüler*innen haben sowohl die Gedichte, mit denen sie arbeiten wollten, als auch weiteres Material frei gewählt, nur auf Nachfragen habe ich sie durch weitere Sekundärtexte unterstützt.

Aufgaben

geschlossen
offen

Die Schwerpunkte für die Ausgestaltung des Portfolios waren von mir vorgegeben, wurden aber im Austausch mit der Lerngruppe angepasst.

Hilfsmittel

keine
freie Wahl

Die Schüler*innen greifen im Falle einer Vergleichsklausur auf ihr Portfolio als individuellen Materialpool zurück.

Sozialform

einzeln
zusammen

Die Gestaltung des Portfolios erfolgt in Einzelarbeit, ebenso wie die Vergleichsklausur. Die Schüler*innen können sich aber jederzeit austauschen und sind außerdem dazu angehalten zu ihren Analysetexten mehrfach Peer Feedback einzuholen, diesen Prozess zu dokumentieren und zu reflektieren.

Produkt

handschriftlich
multimodal

Bis auf eine Schülerin haben alle ihr Portfolio in digitaler Form abgegeben, teilweise unterstützt durch weiteres (audiovisuelles) Material.

Feedback

summativ
formativ

Die Bewertung des Portfolios erfolgte zwar letztendlich summativ durch mich, der vorangegangene Arbeitsprozess wurde jedoch durch individuelle Beratungen begleitet. Außerdem konnten die Schüler*innen sowohl von ihren Mitschüler*innen als auch von mir jederzeit Feedback und Verbesserungsvorschläge einfordern.