Endlich steht es da, wie ich es meine.

Schülerin, 11. Klasse
Master-or-Die

Oliver Schmitz

Philosophie: Textanalyse zu Sartre mit formative assessment

Philosophie, Jahrgangsstufe 11: Erschließung eines philosophischen Textes mit Vergleich und Beurteilung zu J.-P. Sartre, Der Existentialismus ist ein Humanismus [Auszug]. Begleitung der Textanalyse durch formative assessment als Vorbereitung der Klausur.

Unterrichtsvorhaben

Die Klausur war die zweite schriftliche Leistungsüberprüfung im Halbjahr 11/1, das dem Inhaltsfeld 3 zugeordnet ist: Das Selbstverständnis des Menschen. In der Unterrichtssequenz zur Klausur haben wir uns mit dem Thema “Der Mensch als freies und selbstbestimmtes Wesen” beschäftigt. Kernstellen aus Sartres “Der Existentialismus ist ein Humanismus” sind eine obligatorische Fokussierung.

Da die Schüler*innen die Aufgabenart I zum ersten Mal in der Qualifikationsphase bearbeitet haben (einige sogar zum ersten Mal überhaupt), habe ich mich entschlossen, hier das von Björn Nölte entwickelte Prüfungsformat “Master-or-Die” einzusetzen, das ausführliches formative assessment erlaubt. Zu Beginn eines längeren Arbeitsprozesses setzt sich jede Schüler*in in Absprache mit der Lehrer*in ein gleichermaßen anspornendes wie realistisches Notenziel für eine komplexe Aufgabenstellung. Nehmen wir also an, die Schüler*in hat sich als Ziel gesetzt, dass ihre Analyse am Ende mit 10 Punkten (2-) bewertet wird. Erreicht sie dieses Ziel oder ein besseres, bekommt sie die entsprechende Note. Erreicht sie es nicht, wird die Leistung mit ungenügend (6) bewertet. Daher der Name Master-or-Die: Meistere die Aufgabe oder dir geht es an den Kragen!

Herzstück des Verfahrens ist die Unterstützung der Schüler*in auf dem Weg, das Ziel zu erreichen. Während des gesamten Arbeitsprozesses kann die Schüler*in jederzeit kriteriengeleitetes Feedback von der Lehrer*in und den Mitschüler*innen einfordern, das hilft, die bisher erzielten Ergebnisse weiter zu verbessern.

In meinem Grundkurs Philosophie habe ich das Verfahren folgendermaßen eingesetzt: Die Aufgabenart I besteht traditionell aus drei Teilen: der eigentlichen Textanalyse, der Einbettung des Textes in einen philosophischen Kontext (Vergleich) und einer persönlichen Stellungnahme. Nachdem die Schüler*innen ihre Zielnote im Gespräch mit mir festgelegt haben, bekamen sie den Original-Text der Klausur, die am Ende des Prozesses geschrieben wurde. Mit Master-or-Die wurde nur die erste Aufgabe, die eigentliche Textanalyse, zuhause in mehreren Schritten erarbeitet. Die beiden anderen Aufgabenteile, Vergleich und Stellungnahme, blieben unbekannt und wurden in der abschließenden Klausur erstmalig gelöst.

Ausführlich beschreibe ich das Format hier: Master-or-Die im Praxistest. Zeitgemäßes Prüfungsformat zwischen zwischen Lernen und Leisten

Formatreflexion

Raum

festgelegt
frei wählbar

Obwohl die abschließende Klausur klassisch in der Schule geschrieben wurde, war der Raum für die zweimonatige Vorbereitung des ersten Aufgabenteils mit Master-or-Die von den Schüler*innen frei wählbar. Ein Großteil dieser Arbeit wurde von ihnen zu Hause erledigt.

Zeit

festgelegt
entgrenzt

Auch hier: Die Klausur wurde zwar abschließend an einem festen Termin in der Schule geschrieben, die Arbeit am ersten Aufgabenteil konnte aber über einen Zeitraum von zwei Monaten angefertigt werden. Die Arbeitszeit in diesem Zeitraum haben sich die Schüler*innen selbst eingeteilt.

Material

vorgegeben
frei wählbar

Die Bearbeitung des ersten Aufgabenteils war als take home exam gestellt. Neben den Ressourcen, die durch den mitlaufenden Unterricht zur Verfügung gestellt wurden, konnten die Schüler*innen jegliche Quelle nutzen, die ihnen zur Verfügung stand: Internet, Bücher... Eine schriftliche Textanalyse zur vorgegebenen Stelle aus Sartres "Der Existentialismus ist ein Humanismus" existiert nicht im Netz.

Aufgaben

geschlossen
offen

Die Aufgabe war so geschlossen wie bei einer normalen Klausur:

Analysiere den Dir vorliegenden Text von Jean-Paul Sartre, indem Du

  • in der Einleitung die formalen Textangaben nennst sowie die Problemstellung des Textes und die zentrale These formulierst,
  • im Hauptteil die Argumentation des Textes darlegst (performative Verben!) und
  • im Schlussteil Deine Erkenntnisse zusammenfasst.

Dieser erste Teil ging zu 50 Prozent in die Bewertung ein. Die beiden anderen Aufgaben waren unbekannt und wurden in der Klausur erstmalig gelöst:

  1. Erläutere zum besseren Verständnis des vorliegenden Klausurtextes Sartres Position des atheistischen Existenzialismus‘. Wähle dazu auch ein eigenes Beispiel aus Deiner Lebenswelt, mit dessen Hilfe Du die Position erklärst.
  2. Nimm zum Abschluss begründet Stellung, ob Du die Position Sartres im Hinblick auf die Frage der Handlungs- und Entscheidungsfreiheit für richtig hältst.

Beide Aufgabenteile gingen zu jeweils 25 Prozent in die Gesamtwertung ein. Ein kriteriengeleitetes Bewertungsraster wurde den Schüler*innen zu Beginn der Einheit zur Verfügung gestellt.

Hilfsmittel

keine
freie Wahl

Siehe oben: freie Wahl der Hilfsmittel für die erste Aufgabe, für die beiden anderen wie immer: Duden.

Sozialform

einzeln
zusammen

Die Schüler*innen hätten den ersten Aufgabenteil auch teilweise zusammen bearbeiten können, solange eine eigenständige Leistung erkennbar bleibt. Sie haben sich zu Beginn aber nur über die Aufgabenstellung ausgetauscht. Auch ein Peer-Feedback haben sie meines Wissens nicht eingeholt.

Produkt

handschriftlich
multimodal

Normale Klausur.

Feedback

summativ
formativ

Master-or-Die steht für formatives Feedback bzw. formative assessment. Mit allen Schüler*innen gab es mehrere Feedbackgespräche (bis zu sechs) zum ersten Aufgabenteil. In den Feedbackgesprächen, die online oder in der Schule stattfanden, identifizierten wir grundsätzliche, aber individuelle Verbesserungsmöglichkeiten. Genauer beschreibe ich dies hier: Master-or-Die im Praxistest. Zeitgemäßes Prüfungsformat zwischen zwischen Lernen und Leisten